nachts ist es kälter als draußen

und drinnen ist immer besser als davor.  Oder? Hier beim Bnndeskongress bin ich mir da nicht so sicher, es ist so super spannend, die ganzen Twitter-Kommentare zu den Vorträgen direkt mitzuverfolgen.

Nur schade, dass man die Videobeispiele auf der Übertragung so schlecht erkennt.

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kleiner Vorgeschmack

Die Ausstellung „Anna Kournikova Deleted By Memeright Trusted System – Kunst im Zeitalter des Geistigen Eigentums“, die der Hartware MedienKunstVerein 2008 in Dortmund organisiert hat, fragte angesichts aktueller Entwicklungen, was mit Kunst und Musik, die appropriierend, sampelnd und zitierend mit Vorbestehendem verfährt, im Zeitalter eines Urheber- bzw. Immaterialgüterrechts passiert, das immer stärker exklusiven Verwertungs- denn öffentlichen Nutzungsansprüchen verpflichtet ist. Entgegen der Behauptung der Urheberrechtsindustrie, die besagt, dass die Ausweitung der Schutzrechte (für wen?) mehr Kreativität bedeutet, stellte die Ausstellung die These auf, dass Kreativität nur dann möglich ist und bleibt, wenn Künstlerinnen und Künstler in der Lage sind, mit Rückgriff auf Vorbestehendes Neues zu schaffen. Aneignende Kunst, die über Kultur spricht, indem sie sich auf kulturelle Artefakte bezieht und vorgefundenes ästhetisches Material verwendet, wird weiterhin nur dann entstehen können, wenn auch in Zukunft gewährleistet ist, dass neben den gerechtfertigten ökonomischen Interessen der Urheber und der Verwerter die demokratischen Teilhabeansprüche (von Konsumenten – und Urhebern!) ausreichend berücksichtigt werden.

Sollte die Entwicklung des Urheberrechts und der anderen geistigen Eigentumsrechte weiter so betrieben werden, wie es derzeit der Fall ist, wird dies durchaus in Frage gestellt. Ein noch stärker im Sinne der Verwerter verschärftes Urheberrecht würde sich gegen die Freiheit der Kunst wenden und zu einem effektiven Instrument der Unterbindung von Neuem mutieren. Es würde immer schwieriger, über Kultur unter Verwendung von Bildern, Logos oder Soundschnipseln eben dieser Kultur zu sprechen. Einen Vorgeschmack auf diese Entwicklung gibt bereits die Tatsache, dass Sampling im Hip Hop stark abgenommen hat, seitdem Rechtsabteilungen von Majors aggressiv gegen unlizenzierte Samples von Musikern anderer Labels vorgehen.

Dr. Inke Arns

(*1968) absolvierte von 1988 bis 1996 ein Studium der Slawistik und Osteuropastudien, Politikwissenschaften und Kunstgeschichte in Berlin und Amsterdam, 2004 wurde sie an der Humboldt-Universität zu Berlin promoviert. Seit 1993 arbeitet sie als freie Kuratorin und Autorin mit den Schwerpunkten Medienkunst, Netzkulturen, Osteuropa. Von 2000 bis 2001 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Slawistik der Humboldt-Universität zu Berlin, von 2002 bis 2004 Gastdozentin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig. Seit 2005 ist sie künstlerische Leiterin des Hartware MedienKunstVerein in Dortmund.

Der Regenbogen und die GEZ

Hat Kunst einen materiellen Wert? Wenn ja, wonach bemisst sich dieser dann und: Wieviel würdest du dafür zahlen? Am 26. April hat der Chaos Computer Club sein Konzept der Kulturwertmark veröffentlicht und damit die Diskussion um Nutzung, Zugänglichkeit und Bezahlung von Kultur im Netz neu angestoßen. Fest steht: Wir brauchen einen niedrigschwelligen Zugang zu Kunst und Kultur – auch im Netz. Kulturelle Inhalte müssen für jeden überall zugänglich sein.

Die Idee der sogenannten Kulturflatrate gibt es schon länger. Nach dieser soll jeder User einen bestimmten Betrag entrichten müssen und kann sich dann ansehen, was immer er möchte. Dieses Modell erinnert doch sehr an die GEZ – die zwar viel Geld in die Kassen der Öffentlich-Rechtlichen Anstalten spült, doch mal anders herum gefragt: Wer mag denn schon die GEZ?
Der Chaos Computer Club schlägt nun die digitale Währung der Kulturwertmark vor. Im Grunde ist dieses Konzept eine Mischung aus der bereits erwähnten Kulturflatrate und dem Prinzip des Social Payment Services flattr, bei dem der User selbst entscheidet, was und wofür er bezahlen möchte. Der GEZ-hafte Zwang jedoch bleibt.

Das es auch anders funktionieren kann, hat schon vor einigen Jahren die Band Radiohead gezeigt. Das 2007 erschienene Album In Rainbows war vor der Tonträgerveröffentlichung als Download auf der Bandseite verfügbar. Jeder konnte dafür zahlen, was es ihm wert war. Gerüchten zufolge waren es vor allem die Italiener, die tiefer dafür in die Tasche gegriffen haben, die Deutschen landeten hier auf den hinteren Plätzen. Brauchen wir also diese Zwangsabgaben?

Wem gehört das eigentlich?

Jeder, der das Internet regelmäßig nutzt und darüber kommuniziert hat sicherlich schon mal ein sogenannte Emoticon benutzt. Angefangen von einfachen Smilies über kleine Zeichen und ganzen Bildern kann man so einiges darstellen mit Satzzeichen. Grade unter verliebten ist ein Zeichen besonders beliebt und verbreitet. Das Herz Emoticon <3. Und genau dieses Zeichen ist nun eine registrierte Trademark. Unter der Nummer 009438425 findet man alle Informationen zur Schützung und sieht dieses Bild:

Es ist wohl kaum mehr nachzuvollziehen, wann, wo und wie dieses Zeichen das erste Mal auftauchte. Längst ist es so wie viele andere in den Sprachgebrauch des Internets übergegangen. Wie kann dann jemand  herkommen und es dem öffentlichen Raum nehmen und für sich schützen lassen?

Die Rezeption und der Rohrstock

These: Das Internet erzieht fähigere Rezipienten als die Offline-Kultur.

Ein beliebiges (selbstverständlich nicht beliebiges, sondern bewusst ausgewähltes) Beispielvideo von YouTube, “Rohrstock” von HGich.T, Künstlerkollektiv, über das Internet sehr bekannt geworden.

Die Selbstverständlichkeit des gleichzeitigen Arbeitens auf mehreren Ebenen:

  • Die inhaltliche Textebene, die aus der Ich-Perspektive von einem dicken Mädchen erzählt, das von ihrem Vater misshandelt wird.
  • Die musikalische Ebene, rhythmuslastig und wegen der fröhlichen Einfachheit an beliebige Popsongs aus dem Radio erinnernd, Massenware und massenkompatibel.
  • Der hin- und herschwankende, rein- und rauszoomende Rahmen mit HGich.T-Logo, random Wald und zwei merkwürdigen Gestalten, der Sängerin (mal mit, mal ohne synchro-Lippenbewegungen) in Leder und einem “Macker” in gelbem Hemd, beide in den verschiedensten Posen und wild zusammengeschnitten und hin- und herfahrend.
  • Die “eigentliche” Videoebene, auf der die Sängerin in gleicher Kleidung als Domina zwei in Fetisch-Rollenspiel-Accessoires steckende Männer (man bekommt ihre Gesichter nicht zu sehen, aber die Gestalten sind aus HGich.T-Videos bekannt) als Sklaven und zur Unterhaltung benutzt, sie anschreit, bestraft etc., man bekommt allerdings nur selten Geräusch davon mit.

Allen vier Ebenen gleichzeitig zu folgen ist Hochleistungssport, ich musste es mehrmals sehen, um es überhaupt ohne (positiv gemeinte) Überforderung so rezipieren zu können, und mit jedem Mal war ich erstaunter und entdeckte mehr Komplexitäten und Auffälligkeiten sowohl auf jeder einzelnen Ebene als auch an Beziehungen zwischen den Ebenen (man beachte zum Beispiel die Koinzidenz der Schlammpfützen-Szene im Video und der Badewannenszene auf der Textebene), und es wurde und wurde nicht langweilig, das immer und immer wieder zu hören.

Neben dieser Überkomplexität:

  • Die Gleichzeitigkeit von Professionalität und hoher Komplexität auf der einen und die Homemade- und Windows-Movie-Maker-Ästhetik auf der anderen Seite. Die Requisiten allesamt nicht sehr aufwändig in der Besorgung, alles sieht improvisiert aus, die Alditüten am Anfang und so weiter. Dazu gehört auch die fröhliche Einfachheit und Eingängigkeit der musikalischen Ebene, der Tagebuchstil-Text (so übertrieben und unglaubwürdig, fast Parodie) und so weiter.
  • Überhaupt die Unentscheidbarkeit von: schlecht gemachter Parodie, gut gemachter Parodie, schlecht gemachtem ernst Gemeintem und gut gemachtem ernst Gemeintem. Spiel mit den Kategorien, statt klarer Signale zur Einordnung, Ironie allenthalben, Offenheit, Komplexität. All das wäre wert, sehr viel ausführlicher betrachtet zu werden, sollen das die richtigen Wissenschaftler erledigen, meine Aufgabe hier ist das Staunen.
  • Die Selbstverständlichkeit der Thematisierung von Tabuthemen. (Übrigens wegen “Nacktheit oder sexuellem Content” ursprünglich von YouTube gesperrt, das oben verlinkte Video ist ein Reupp von jemand anderem, die Videos sind auf der Website von HGich.T frei herunterladbar.)
  • Die Zwanglosigkeit im Umgang mit der sonst als minderwertig verschrienen Popkultur.
  • Und und und

Hier ist nicht der Ort, das weiter auszubreiten, es wäre auch langweilig, aber die angesprochenen Punkte sind ernst gemeint und in der Internetkultur allgegenwärtig. Dass die alltägliche Konfrontation mit dergleichem einen in einer Rezeptionshaltung trainiert, die weitaus anspruchsvoller ist als das, was Fernsehen und schule von einem verlangen, ist selbstverständlich.

Stellen Sie sich das Video im Fernsehen vor – unmöglich (Klassische Musikvideos im Fernsehen werden komplexer, das ist eine Anpassung an das überwiegend junge und damit fast immer im Internet bewanderte Publikum). In einer Galerie, als Kunstvideo? Denkbar, aber unwahrscheinlich, und das Publikum wäre nicht auf so was vorbereitet.

Fähigere Rezipienten, bessere Rezipienten? Leider werden diese gesteigerten Fähigkeiten nur mit wenig Prestige belohnt. Aber wer HGich.T rezipieren kann, wer in der Datenflut, vor die das Internet uns stellt, nicht ertrinkt, sondern vielleicht sogar Gefallen daran findet, sie zu vergrößern, ist wahrscheinlich besser für die Zukunft gerüstet als jemand, der in einem Buch 100 Seiten lesen kann, ohne auszuschauen.

Kulturelle Bildung in Zeiten von „Anything goes”

Meine Mutter ist ein wahrer Schatz! So verwaltet sie zum Beispiel die Post, die ich an meine Heimatadresse schicken lasse. Als vielseitig interessierte Studentin tingel ich schließlich stetig durch die Welt. Und trotz all der Umzüge oder kurzfristiger Ortwechsel darf ja kein wichtiges Bankdokument verloren gehen, keine Rechnung verspätet beglichen werden.  Als ich nun spontan für eine Chorprobe nach Hause reiste (das Semesterticket macht es möglich), schlug mir als erstes von der Treppe die aktuelle Ausgabe der Kulturpolitischen Mitteilungen (KuMi) entgegen.

Auf der Rückseite des Heftes prangert in fetten Buchstaben netz.macht.kultur, Werbung für den diesjährigen Bundeskongress der Kulturpolitische Gesellschaft (KuPoGe). Ein Drittel der Seite wird von einer verpixelten Marilyn  bedeckt. Die Farben sind kräftig und bunt. „WOW“ mein erste Gedanke: „poppig, mutig, modern!“ Der Kongress über „Kulturpolitik in der digitalen Gesellschaft“ soll also wirklich eine aktuelle Kiste werden.  Schlägt man die KuMi auf, ist jedoch alles wie immer. Aber schließlich sind Corporate Designs ja auch zur Wiedererkennung gedacht und die KuPoGe bleibt ein seriöser Laden.

In der Ausgabe finden sich zwei Artikel die in Zusammenhang mit dem Bundeskongress stehen. „»Anything goes« geht nicht mehr“ ist von Karl Emmert, einem sympathischen Herrn Anfang der Sechziger. Ich habe ihn auf dem Kulturpolitischen Kolloquium in Loccum dieses Jahres kennen gelernt und war positiv überrascht, mit welcher Weitsicht der Direktor der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel mit dem Themenkomplex Digitalisierung und Kultur umgeht. Sein Artikel betont die Notwendigkeit der Wertevermittlung in Zeiten unbegrenzter Entscheidungsmöglichkeiten. „Die Autonomie der Kunst besteht nicht darin Zwecke zu vermeiden, sondern darin, ihre Zwecke frei wählen zu können“ hält er Kunst- und Kulturschaffenden vor.

Der zweite Artikel „Mixed Realities“ ist von Kurt Eichler, dem Geschäftsführer der Kulturbetriebe in Dortmund. Neben dem Factum, dass beide Autoren eine englische Hauptzeile und erst ein deutsch sprachige Unterzeile gewählt haben, finden sich noch einige weitere thematische Gemeinsamkeiten die kulturelle Bildung im digitalen Zeitalter betreffend. So fordert Eichler ein curriculares Bildungskonzept in den drei Praxisfeldern: Games, Web 2.0 sowie in der Technik und Konstruktion der digitalen Medien.

Beide Autoren sind nicht als Referenten auf dem  Kongress tätig. Vielleicht trifft man sie trotzdem unter den Teilnehmern. Ich würde mich freuen!

Digital Culture – Der Mensch als Akteur der digitalen Gesellschaft

Wie sieht eigentlich mein Tag im Netz aus?

09:00 Uhr aufstehen und dann erst einmal Emails checken. Nach gefühlten 50 Newslettern, die ich irgendwann mal abonniert habe endlich etwas interessantes: eine Einladung vom Dozenten für unsere Wiki. Gleich einmal einen Eintrag schreiben, wie man einen Hyperlink einfügt.
Arbeiten ohne  Musik ist aber doof. Schnell Mixtape ausgesucht und weiter geht’s.
Hamburg gibt leider nicht sehr viel her für meine Recherche für die Bedeutung der Indieszene für Hamburg als Kulturstandort. Deshalb schnell die Uni Bib  gebeten Bücher für mich zu bestellen. Vorher schnell die  ISBN Nummern rausgesucht.

Da ist es auch schon 12:00. Kleine Pause und Facebook ansurfen. Dabei die Semesterarbeit meiner Mitbewohnerin entdeckt und gleich mit meinen Freunden geteilt.
Jetzt ein bisschen Recherche für dieses Seminar und ein bisschen für die eigenen  Interessen.
Da auch schon wieder Freitag ist schauen, was heut Abend geht. Mit  Skype die Freunde angerufen, Date klar gemacht. Jetzt noch schnell den Zug raussuchen und los geht’s.

“Digital Art”

Wie ändert sich die Kunstrezeption und –Produktion im Zeitalter digitaler Medien?

Das erste Thema des Bundeskongresses hat es in sich. Erfreulich, dass die Tatsache, dass die Kunstrezeption des Menschen sich durch den Gebrauch digitaler Medien verändert, genauso wie die Kunstproduktion es tut, nicht in Frage gestellt, oder direkt bewertet wird. Sondern einfach analysiert. Nicht, ob es geschieht ist die Frage, sondern wie?

Denn dass der Technologische Fortschritt uns bis ins Unbewusste beeinflusst, das wurde in vielen amüsanten Versuchen hinlänglich nachgewiesen. Ein Beispiel sei eine nette Studie von einem amerikanischen Wissenschaftler, von der ich neulich gelesen habe. Er fand heraus, dass die Telefonnummer 5423 positivere Emotionen bei den tippenden Probanden auslöste, als zum Beispiel 534243. Woran das liegt? An der SMS: 5423 ist die Tastenkombination, die das (positiv besetzte) Wort „Liebe“ ergibt, während 534243 das eher negative Wort „Leiche“ buchstabiert. Und diese Buchstabiererei ist in unserem Gehirn schon so verankert, dass wir mit den räumlichen Tastenabfolgen positivere oder negativere Gefühlsregungen verbinden.

Doch was ändert sich konkret in meiner Rezeptionshaltung? Ist es das Gleiche, wenn Marina Abramovic und Ulay sich nackt in einen Türrahmen stellen, sodass jeder der hindurch will gezwungen ist, ihre Körper zu berühren, wie wenn diese Performance in Second Life reenacted wird?

Fehlt hier nicht genau der Aspekt, auf den die Performance eigentlich ausgelegt war: Die körperliche Nähe, die intime Berührung? Oder kann ich das auch durch einen Avatar nachvollziehen?

Oder Chris Burden’s „Shoot“. Berührt mich hier der Schuss auf eine Computerfigur?

Also mich nicht. Und das leitet mich zur zweiten Frage, die die KUPOGE stellt: Wie verändert sich die Kunstproduktion unter Zuhilfenahme digitaler Medien?

Denn das sollte sie. Künstler, die sich die digitale Welt zunutze machen, sollten auf ihre Besonderheiten eingehen. Reenactments von Perfomances, die mit dem Körperlichen des Menschen spielen, sich auf ein spürbares Gegenüber beziehen haben hier keine Wirkung, allenfalls eine komische. Gelungen finde ich hingegen das Reenactment von Joseph Beuys 27000 Oaks“. Die gesellschaftliche Dimension dieser Performance wird durch die Mitwirkungsaufforderung an jeden Einzelnen und die Leichtigkeit, ihr nachzugehen, auf eine neue Ebene transportiert.