Der Regenbogen und die GEZ

Hat Kunst einen materiellen Wert? Wenn ja, wonach bemisst sich dieser dann und: Wieviel würdest du dafür zahlen? Am 26. April hat der Chaos Computer Club sein Konzept der Kulturwertmark veröffentlicht und damit die Diskussion um Nutzung, Zugänglichkeit und Bezahlung von Kultur im Netz neu angestoßen. Fest steht: Wir brauchen einen niedrigschwelligen Zugang zu Kunst und Kultur – auch im Netz. Kulturelle Inhalte müssen für jeden überall zugänglich sein.

Die Idee der sogenannten Kulturflatrate gibt es schon länger. Nach dieser soll jeder User einen bestimmten Betrag entrichten müssen und kann sich dann ansehen, was immer er möchte. Dieses Modell erinnert doch sehr an die GEZ – die zwar viel Geld in die Kassen der Öffentlich-Rechtlichen Anstalten spült, doch mal anders herum gefragt: Wer mag denn schon die GEZ?
Der Chaos Computer Club schlägt nun die digitale Währung der Kulturwertmark vor. Im Grunde ist dieses Konzept eine Mischung aus der bereits erwähnten Kulturflatrate und dem Prinzip des Social Payment Services flattr, bei dem der User selbst entscheidet, was und wofür er bezahlen möchte. Der GEZ-hafte Zwang jedoch bleibt.

Das es auch anders funktionieren kann, hat schon vor einigen Jahren die Band Radiohead gezeigt. Das 2007 erschienene Album In Rainbows war vor der Tonträgerveröffentlichung als Download auf der Bandseite verfügbar. Jeder konnte dafür zahlen, was es ihm wert war. Gerüchten zufolge waren es vor allem die Italiener, die tiefer dafür in die Tasche gegriffen haben, die Deutschen landeten hier auf den hinteren Plätzen. Brauchen wir also diese Zwangsabgaben?

Digitale Kultur, offline

… oder: Wie kommen wir auf den 8. Kontinent?

Letzte Woche fand in Berlin die re:publica statt, die Konferenz über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft.
Die Resonanz der Presse darauf ist nicht unbedingt nur positiv, die Themen der Vorjahre hätten sich wiederholt und ganz besonders auf der Eröffnungsrede von Philipp Schäfer hauen alle rum. Die interessanteste Nachricht aber ist: Es gab Probleme mit dem w-lan. Auf der Konferenz über die digitale Gesellschaft.
Ich wurde spontan an den Beginn unseres Seminars erinnert, das erste Treffen zur Vorbereitung auf den Bundeskongress der KuPoGe, der dieses Jahr immerhin den Titel „netz.macht.kultur“ trägt. Der Dozent war da, wir waren da – nur die Internetverbindung, die fehlte. Da stellt sich doch die Frage: Wie soll man uns Medienkompetenz vermitteln, wenn das Medium nicht zur Verfügung steht?

„Das Netz ist zum Inbegriff der Permanenz geworden. Ständig geht es vor sich, es aktualisiert sich, es vibriert vor Mitteilsamkeit. Früher gab es einen Zustand, dann kam eine Veränderung, dann ein neuer Zustand. Jetzt ist Veränderung der Zustand“, sagte Peter Glaser in seiner Eröffnungsrede zur re:publica 10.
Ja, im Internet ist heute eigentlich schon gestern, doch da wir – gezwungenermaßen – alle meist noch offline sind, kann man auch schon mal Worte aus dem vergangenen Jahr zitieren.
Glaser bezeichnete in seiner Rede den digitalen Medienfluss als „Umweltbedingung – etwas, das überall und immer da ist.“ Das Netz sei der „achte Kontinent“, den wir nun besiedeln würden.
Die Reise dorthin gestaltet sich schwieriger, als gedacht. Klar, zuhause können wir jederzeit online gehen – doch was ist mit den Universitäten, all den Institutionen, die sich Forschung und Wissensvermittlung verschrieben haben?
Der 8. Kontinent. Es wäre schön, wenn man uns den Weg dorthin freigeben würde, damit wir ihn gestalten können.