Wem gehört das eigentlich?

Jeder, der das Internet regelmäßig nutzt und darüber kommuniziert hat sicherlich schon mal ein sogenannte Emoticon benutzt. Angefangen von einfachen Smilies über kleine Zeichen und ganzen Bildern kann man so einiges darstellen mit Satzzeichen. Grade unter verliebten ist ein Zeichen besonders beliebt und verbreitet. Das Herz Emoticon <3. Und genau dieses Zeichen ist nun eine registrierte Trademark. Unter der Nummer 009438425 findet man alle Informationen zur Schützung und sieht dieses Bild:

Es ist wohl kaum mehr nachzuvollziehen, wann, wo und wie dieses Zeichen das erste Mal auftauchte. Längst ist es so wie viele andere in den Sprachgebrauch des Internets übergegangen. Wie kann dann jemand  herkommen und es dem öffentlichen Raum nehmen und für sich schützen lassen?

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ab vom Thema

Uff… Als ich heute in meinem Kalender das kleine selbserfundene Zeichen für “du musst heute bloggen!!!”  hingekritzelt sah, da fehlte mir wiedermal die kleinste Idee eines Themas. Ich kann mir nicht helfen, aber ich teile die Zuversicht, “wird schon jemand lesen” immer noch nicht, ich glaube nicht daran, dass meine persönlichen Ansichen zu speiellen Themen genug Menschen interesieren um sie zu veröffentlichen. Nicht, dass ich nicht gerne diskutiere und meine Ansichten vertrete, aber da weiß ich wenigstens, dass mein  Gegenüber Interesse hat und wenn nicht, erhalte ich (meist) eine dementsprechende DIREKTE Reaktion. Wenn ich jetzt gerade auf einem Blog so dahinschreibe, frage ich mich immer “wen soll das bitte interessieren?” Mich glaub ich nicht, also wenns jetzt von jemand anderem wäre. Kommunizieren gerne! Aber face to face ist mir lieber, bloggen tut man so ins Blaue hinein…

Heute abend allerdings, habe ich etwas erfahren, was tatsächlich das Bedürfnis in mir weckt, es möglichst vielen Menschen weiterzugeben. Im HoKi (Hochschulkino) fand eien tolle Veranstaltung statt, die durch eine tolle Kooperation von tollen engagierten Menschen verschiedenster Art realisiert werden konnte. An dieser Stelle allen diesen Menschen vielen Dank nochmal!

Und weil Bilder mehr sagen als tausend Worte seht selbst:

Projekt Cinema Jenin

Kommunikation und Verständnis, das sind die Wege zu dauerhaftem Frieden. Und vielleicht kann das Netz auf seine Art ja dann doch dazu beitragen?

Die Rezeption und der Rohrstock

These: Das Internet erzieht fähigere Rezipienten als die Offline-Kultur.

Ein beliebiges (selbstverständlich nicht beliebiges, sondern bewusst ausgewähltes) Beispielvideo von YouTube, “Rohrstock” von HGich.T, Künstlerkollektiv, über das Internet sehr bekannt geworden.

Die Selbstverständlichkeit des gleichzeitigen Arbeitens auf mehreren Ebenen:

  • Die inhaltliche Textebene, die aus der Ich-Perspektive von einem dicken Mädchen erzählt, das von ihrem Vater misshandelt wird.
  • Die musikalische Ebene, rhythmuslastig und wegen der fröhlichen Einfachheit an beliebige Popsongs aus dem Radio erinnernd, Massenware und massenkompatibel.
  • Der hin- und herschwankende, rein- und rauszoomende Rahmen mit HGich.T-Logo, random Wald und zwei merkwürdigen Gestalten, der Sängerin (mal mit, mal ohne synchro-Lippenbewegungen) in Leder und einem “Macker” in gelbem Hemd, beide in den verschiedensten Posen und wild zusammengeschnitten und hin- und herfahrend.
  • Die “eigentliche” Videoebene, auf der die Sängerin in gleicher Kleidung als Domina zwei in Fetisch-Rollenspiel-Accessoires steckende Männer (man bekommt ihre Gesichter nicht zu sehen, aber die Gestalten sind aus HGich.T-Videos bekannt) als Sklaven und zur Unterhaltung benutzt, sie anschreit, bestraft etc., man bekommt allerdings nur selten Geräusch davon mit.

Allen vier Ebenen gleichzeitig zu folgen ist Hochleistungssport, ich musste es mehrmals sehen, um es überhaupt ohne (positiv gemeinte) Überforderung so rezipieren zu können, und mit jedem Mal war ich erstaunter und entdeckte mehr Komplexitäten und Auffälligkeiten sowohl auf jeder einzelnen Ebene als auch an Beziehungen zwischen den Ebenen (man beachte zum Beispiel die Koinzidenz der Schlammpfützen-Szene im Video und der Badewannenszene auf der Textebene), und es wurde und wurde nicht langweilig, das immer und immer wieder zu hören.

Neben dieser Überkomplexität:

  • Die Gleichzeitigkeit von Professionalität und hoher Komplexität auf der einen und die Homemade- und Windows-Movie-Maker-Ästhetik auf der anderen Seite. Die Requisiten allesamt nicht sehr aufwändig in der Besorgung, alles sieht improvisiert aus, die Alditüten am Anfang und so weiter. Dazu gehört auch die fröhliche Einfachheit und Eingängigkeit der musikalischen Ebene, der Tagebuchstil-Text (so übertrieben und unglaubwürdig, fast Parodie) und so weiter.
  • Überhaupt die Unentscheidbarkeit von: schlecht gemachter Parodie, gut gemachter Parodie, schlecht gemachtem ernst Gemeintem und gut gemachtem ernst Gemeintem. Spiel mit den Kategorien, statt klarer Signale zur Einordnung, Ironie allenthalben, Offenheit, Komplexität. All das wäre wert, sehr viel ausführlicher betrachtet zu werden, sollen das die richtigen Wissenschaftler erledigen, meine Aufgabe hier ist das Staunen.
  • Die Selbstverständlichkeit der Thematisierung von Tabuthemen. (Übrigens wegen “Nacktheit oder sexuellem Content” ursprünglich von YouTube gesperrt, das oben verlinkte Video ist ein Reupp von jemand anderem, die Videos sind auf der Website von HGich.T frei herunterladbar.)
  • Die Zwanglosigkeit im Umgang mit der sonst als minderwertig verschrienen Popkultur.
  • Und und und

Hier ist nicht der Ort, das weiter auszubreiten, es wäre auch langweilig, aber die angesprochenen Punkte sind ernst gemeint und in der Internetkultur allgegenwärtig. Dass die alltägliche Konfrontation mit dergleichem einen in einer Rezeptionshaltung trainiert, die weitaus anspruchsvoller ist als das, was Fernsehen und schule von einem verlangen, ist selbstverständlich.

Stellen Sie sich das Video im Fernsehen vor – unmöglich (Klassische Musikvideos im Fernsehen werden komplexer, das ist eine Anpassung an das überwiegend junge und damit fast immer im Internet bewanderte Publikum). In einer Galerie, als Kunstvideo? Denkbar, aber unwahrscheinlich, und das Publikum wäre nicht auf so was vorbereitet.

Fähigere Rezipienten, bessere Rezipienten? Leider werden diese gesteigerten Fähigkeiten nur mit wenig Prestige belohnt. Aber wer HGich.T rezipieren kann, wer in der Datenflut, vor die das Internet uns stellt, nicht ertrinkt, sondern vielleicht sogar Gefallen daran findet, sie zu vergrößern, ist wahrscheinlich besser für die Zukunft gerüstet als jemand, der in einem Buch 100 Seiten lesen kann, ohne auszuschauen.

Bloggen für alle

Ich dachte immer bloggen wäre einfach.  Jeder macht es.  Alle können es, denn you see, what you get. Doch irgendwie dröppeln meine Worte gerade nur sehr langsam auf das virtuelle Papier.

Was sind die Anforderungen, um sich in so einem breiten Angebot, wie dem des World Wide Web durchzusetzen oder die Aufmerksamkeit einer möglichst breiten Masse zu erlangen? Wie man merkt, ist mir das Ganze recht fremd. Die Faszination fürs Internet hat mich noch nicht gepackt. Nützlich finde ich es schon, aber mir ist ein Buch oder ein Gesellschaftsspiel mit meiner WG lieber. Ich will so wenig meiner Daten wie möglich gespeichert auf einem Server wissen, um nur ein Schreckgespenst zu nennen. Oft nervt mich auch dieses ganze Facebook-Geposte. So viele Menschen schütten einen mit so vielen irrelevanten Informationen zu. Aber zu behaupten, dass niemand etwas zu sagen hätte, wäre falsch. Im Gegenteil. Natürlich finde ich es auch toll, mit Freunden aus Mazedonien und Marokko gleichzeitig chatten zu können. Aber ich bilde mir auch viel darauf ein, dass ich sie zuerst “in Echt” kennen gelernt habe und sich unser Gespräch jetzt ins Internet verlagert hat. Doch wie toll wäre es, wenn es anders herum gelaufen wäre? Weg mit dem Klischee von den Computernerds, die nur noch virtuelle Freunde haben! Netzwerken bekommt eine spannende neue Dimension! Ganze Revolutionen organisieren sich über das Internet. Als nach der Wahl 2009 alle Journalisten aus dem Iran ausgewiesen wurden, hielt YouTube Einzug in die Tagesschau. (Zu dem Thema unbedingt den Film ‘The Green Wave‘ anschauen!) Die Frage ist also eher, wie man sich im Internet orientieren sollte? Wohin gehe ich, um an die richtigen Informationen zu gelangen und Leute mit gleichen Interessen zu treffen anstatt von Daten(müll) erschlagen zu werden?

Die Demokratisierung von Daten, also Informationen: ist es nicht auch das, was vielen Angst macht? Weil jeder mitwirken kann. Weil es keine Autorität mehr gibt, die kontrolliert und kontrollieren kann, was richtig ist. Weil man sein Wissen jetzt teilt und damit ein Stück Macht aufgibt. Das Internet prägt die Gesellschaft. Die Gesellschaft prägt das Internet. Amateure dringen in die Ordnung der Dinge ein und können ihre Nachricht hinterlassen.

“Dass die Kunst verblödet, wie unsere Gesellschaft, weil Künstler nur Beobachter unserer Zeit sind.” Teilen wir diese Vision mit dem Kunstsammler Harald Falckenberg? Vielleicht denkt Herr Falckenberg an die Begeisterung vieler für popkulturelle Phänomene. Und vielleicht ist es nun an der Zeit, die Mauern zwischen Pop- und Hochkultur einzureißen. Also, von welcher Kultur sprechen wir überhaupt? Was erwarten wir von der Zukunft? Seit gut 30 Jahren verlangt man “Kultur für alle”. Es ist genug Space für alle da – wie weit ist der Sprung also noch? Partizipation und Interaktivität könnten ein neues Zuhause gefunden haben.

Ich habe meinen ersten Blogeintrag so gut wie beendet. Welchen Weg müssen unsere Kulturinstitutionen gehen, um den Weg ins Internet zu finden, um sich inspirieren zu lassen (was sicher auch schon einige tun) oder um ihre eigene Revolution zu starten?

Kulturelle Bildung in Zeiten von „Anything goes”

Meine Mutter ist ein wahrer Schatz! So verwaltet sie zum Beispiel die Post, die ich an meine Heimatadresse schicken lasse. Als vielseitig interessierte Studentin tingel ich schließlich stetig durch die Welt. Und trotz all der Umzüge oder kurzfristiger Ortwechsel darf ja kein wichtiges Bankdokument verloren gehen, keine Rechnung verspätet beglichen werden.  Als ich nun spontan für eine Chorprobe nach Hause reiste (das Semesterticket macht es möglich), schlug mir als erstes von der Treppe die aktuelle Ausgabe der Kulturpolitischen Mitteilungen (KuMi) entgegen.

Auf der Rückseite des Heftes prangert in fetten Buchstaben netz.macht.kultur, Werbung für den diesjährigen Bundeskongress der Kulturpolitische Gesellschaft (KuPoGe). Ein Drittel der Seite wird von einer verpixelten Marilyn  bedeckt. Die Farben sind kräftig und bunt. „WOW“ mein erste Gedanke: „poppig, mutig, modern!“ Der Kongress über „Kulturpolitik in der digitalen Gesellschaft“ soll also wirklich eine aktuelle Kiste werden.  Schlägt man die KuMi auf, ist jedoch alles wie immer. Aber schließlich sind Corporate Designs ja auch zur Wiedererkennung gedacht und die KuPoGe bleibt ein seriöser Laden.

In der Ausgabe finden sich zwei Artikel die in Zusammenhang mit dem Bundeskongress stehen. „»Anything goes« geht nicht mehr“ ist von Karl Emmert, einem sympathischen Herrn Anfang der Sechziger. Ich habe ihn auf dem Kulturpolitischen Kolloquium in Loccum dieses Jahres kennen gelernt und war positiv überrascht, mit welcher Weitsicht der Direktor der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel mit dem Themenkomplex Digitalisierung und Kultur umgeht. Sein Artikel betont die Notwendigkeit der Wertevermittlung in Zeiten unbegrenzter Entscheidungsmöglichkeiten. „Die Autonomie der Kunst besteht nicht darin Zwecke zu vermeiden, sondern darin, ihre Zwecke frei wählen zu können“ hält er Kunst- und Kulturschaffenden vor.

Der zweite Artikel „Mixed Realities“ ist von Kurt Eichler, dem Geschäftsführer der Kulturbetriebe in Dortmund. Neben dem Factum, dass beide Autoren eine englische Hauptzeile und erst ein deutsch sprachige Unterzeile gewählt haben, finden sich noch einige weitere thematische Gemeinsamkeiten die kulturelle Bildung im digitalen Zeitalter betreffend. So fordert Eichler ein curriculares Bildungskonzept in den drei Praxisfeldern: Games, Web 2.0 sowie in der Technik und Konstruktion der digitalen Medien.

Beide Autoren sind nicht als Referenten auf dem  Kongress tätig. Vielleicht trifft man sie trotzdem unter den Teilnehmern. Ich würde mich freuen!

Digitale Kultur, offline

… oder: Wie kommen wir auf den 8. Kontinent?

Letzte Woche fand in Berlin die re:publica statt, die Konferenz über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft.
Die Resonanz der Presse darauf ist nicht unbedingt nur positiv, die Themen der Vorjahre hätten sich wiederholt und ganz besonders auf der Eröffnungsrede von Philipp Schäfer hauen alle rum. Die interessanteste Nachricht aber ist: Es gab Probleme mit dem w-lan. Auf der Konferenz über die digitale Gesellschaft.
Ich wurde spontan an den Beginn unseres Seminars erinnert, das erste Treffen zur Vorbereitung auf den Bundeskongress der KuPoGe, der dieses Jahr immerhin den Titel „netz.macht.kultur“ trägt. Der Dozent war da, wir waren da – nur die Internetverbindung, die fehlte. Da stellt sich doch die Frage: Wie soll man uns Medienkompetenz vermitteln, wenn das Medium nicht zur Verfügung steht?

„Das Netz ist zum Inbegriff der Permanenz geworden. Ständig geht es vor sich, es aktualisiert sich, es vibriert vor Mitteilsamkeit. Früher gab es einen Zustand, dann kam eine Veränderung, dann ein neuer Zustand. Jetzt ist Veränderung der Zustand“, sagte Peter Glaser in seiner Eröffnungsrede zur re:publica 10.
Ja, im Internet ist heute eigentlich schon gestern, doch da wir – gezwungenermaßen – alle meist noch offline sind, kann man auch schon mal Worte aus dem vergangenen Jahr zitieren.
Glaser bezeichnete in seiner Rede den digitalen Medienfluss als „Umweltbedingung – etwas, das überall und immer da ist.“ Das Netz sei der „achte Kontinent“, den wir nun besiedeln würden.
Die Reise dorthin gestaltet sich schwieriger, als gedacht. Klar, zuhause können wir jederzeit online gehen – doch was ist mit den Universitäten, all den Institutionen, die sich Forschung und Wissensvermittlung verschrieben haben?
Der 8. Kontinent. Es wäre schön, wenn man uns den Weg dorthin freigeben würde, damit wir ihn gestalten können.

Wo ich wohne

Na gut, das ist gemogelt. Also so halb. Der Tisch steht bei “Mudda“, der Kaffee kommt aus ihrer Zaubermaschine, irgendwo dahinter ein riesen Fernseher. Da bin ich zu Besuch. Da bin ich auch zuhaus. Aber da wohn ich nicht.

Oh doch. Und wie ich da wohne. Nicht, weil ich überall mein Zeug rumliegen lasse, da schlafe und bade, oder weil ein Text von mir im Literaturhaus um die Ecke an der Stange hängt und ich das bei facebook als meine postalische Adresse angegeben habe. Ich wohn da, wo meine Computer wohnen. Das ist mein Koffer. Ich wohn da, wo mein Internet wohnt. Das ist Dach und Haus und Fenster und Herz. HOME IS WHERE THE HARD DRIVE IS. Das auch gerne geshoutet. Ich wohne im Internet. Zwischen (Daten-)Sätzen.

Ich kann die langweilige aber nette Metapher weiter ausbauen, in welchem Zimmer was steht, wie ich mich durch welchen Raum bewege (denkt an Windflattergardinen und weiße Windflatter-Empire-Kleider), was ich Gästen reiche, früher wurden beepworldseiten manchmal so eingeleitet. “Nehmt euch einen Keks *grins* und schreibt doch bitte was ins Gästebuch. Och bitte!”

Also Biblio-und Mediathek. Ich lese jeden Tag sehr viel. Eigentlich lese ich fast nur, wenn ich nicht was Kleines tippe. Ich höre Musik. Ich sehe im Internet fern, ich höre im Internet Radio. Ich sehe Filme. Auf meiner Festplatte nur das Nötigste, sie ist Rentnerin, sie hat Verstopfung, sie lahmt und sie röchelt manchmal. Deshalb das alles im Netz. Lieber streamen als downloaden, lieber Dropbox als Übermüllung.

Kann man sagen: Boah, ist das einsam. Boah, ist das zurückgezogen oder passiv. Wenn ich was lernen will (zuletzt häkeln und beatboxen), lass ich es mir von anderen zeigen, die wohnen meistens auch in Internet. Frage Leute um Hilfe und es ist leicht und ich werde beschenkt. Oder zum Lachen gebracht. Das ist das Internet, in dem ich wohne. What mostly makes it home: Ich kann sein und aussehen, wie ich will. Ich muss meinen Körper nicht auf ein Repräsentationsniveau bringen, ich kann pupsen und kopfüber im Bett liegen und Schimpfgeräusche machen UND mich gleichzeitig in Gesellschaft bewegen (parlieren, hihi) und Schubertaufführungen genießen. Ich such mir aus, mit wem ich rumhäng. Ich such mir aus, was ich mir anguck. Zum Beispiel Veranstaltungen. Wenn ich rausgeh, aus dem Haus in die Welt, dann finde ich das Zeug im Netz. Fo sure. Oder andere Sachen, die mit Kultur zu tun haben.Oder mit Möglichkeiten, Menschen zu treffen und Sachen zu lernen. Wie auch immer. Ich bin in der Welt, ich lerne die Welt, die Welt lässt sich lernen, welcome to this place that is all places & none.

Es ist kein Nachschlagewerk. Der Zauber daran, Computerlicht am Bett zu haben wie früher die Tür angelehnt und Licht im Flur, weil man schlecht schlief, ist nicht das Gadget, da könnte ich auch ein Nachttischlämpchen anlassen, oder so ein Steckdosenlicht mit Gesicht (wobei, au ja!). Das Schöne ist, zu allen Uhrzeiten Menschen nah zu wissen. Klick und Tipp und ich bin nicht allein. Egal wo ich bin. Das sind nicht andere Leute, es sind nur alle anders zusammengeknüpft als ohne Netz. Unter ihnen bin ich und bin auch da, wenn jemand weint oder den Ort des Semesterticketstempelautomaten wissen muss. Das Internet, in dem ich wohne, ist mehr als ein Ort. Ist kein Ort. Ist eine Idee einer Gesellschaft.

I’m a netizen. Denn eigentlich wohne ich überall.

Digital Culture – Der Mensch als Akteur der digitalen Gesellschaft

Wie sieht eigentlich mein Tag im Netz aus?

09:00 Uhr aufstehen und dann erst einmal Emails checken. Nach gefühlten 50 Newslettern, die ich irgendwann mal abonniert habe endlich etwas interessantes: eine Einladung vom Dozenten für unsere Wiki. Gleich einmal einen Eintrag schreiben, wie man einen Hyperlink einfügt.
Arbeiten ohne  Musik ist aber doof. Schnell Mixtape ausgesucht und weiter geht’s.
Hamburg gibt leider nicht sehr viel her für meine Recherche für die Bedeutung der Indieszene für Hamburg als Kulturstandort. Deshalb schnell die Uni Bib  gebeten Bücher für mich zu bestellen. Vorher schnell die  ISBN Nummern rausgesucht.

Da ist es auch schon 12:00. Kleine Pause und Facebook ansurfen. Dabei die Semesterarbeit meiner Mitbewohnerin entdeckt und gleich mit meinen Freunden geteilt.
Jetzt ein bisschen Recherche für dieses Seminar und ein bisschen für die eigenen  Interessen.
Da auch schon wieder Freitag ist schauen, was heut Abend geht. Mit  Skype die Freunde angerufen, Date klar gemacht. Jetzt noch schnell den Zug raussuchen und los geht’s.

“Digital Art”

Wie ändert sich die Kunstrezeption und –Produktion im Zeitalter digitaler Medien?

Das erste Thema des Bundeskongresses hat es in sich. Erfreulich, dass die Tatsache, dass die Kunstrezeption des Menschen sich durch den Gebrauch digitaler Medien verändert, genauso wie die Kunstproduktion es tut, nicht in Frage gestellt, oder direkt bewertet wird. Sondern einfach analysiert. Nicht, ob es geschieht ist die Frage, sondern wie?

Denn dass der Technologische Fortschritt uns bis ins Unbewusste beeinflusst, das wurde in vielen amüsanten Versuchen hinlänglich nachgewiesen. Ein Beispiel sei eine nette Studie von einem amerikanischen Wissenschaftler, von der ich neulich gelesen habe. Er fand heraus, dass die Telefonnummer 5423 positivere Emotionen bei den tippenden Probanden auslöste, als zum Beispiel 534243. Woran das liegt? An der SMS: 5423 ist die Tastenkombination, die das (positiv besetzte) Wort „Liebe“ ergibt, während 534243 das eher negative Wort „Leiche“ buchstabiert. Und diese Buchstabiererei ist in unserem Gehirn schon so verankert, dass wir mit den räumlichen Tastenabfolgen positivere oder negativere Gefühlsregungen verbinden.

Doch was ändert sich konkret in meiner Rezeptionshaltung? Ist es das Gleiche, wenn Marina Abramovic und Ulay sich nackt in einen Türrahmen stellen, sodass jeder der hindurch will gezwungen ist, ihre Körper zu berühren, wie wenn diese Performance in Second Life reenacted wird?

Fehlt hier nicht genau der Aspekt, auf den die Performance eigentlich ausgelegt war: Die körperliche Nähe, die intime Berührung? Oder kann ich das auch durch einen Avatar nachvollziehen?

Oder Chris Burden’s „Shoot“. Berührt mich hier der Schuss auf eine Computerfigur?

Also mich nicht. Und das leitet mich zur zweiten Frage, die die KUPOGE stellt: Wie verändert sich die Kunstproduktion unter Zuhilfenahme digitaler Medien?

Denn das sollte sie. Künstler, die sich die digitale Welt zunutze machen, sollten auf ihre Besonderheiten eingehen. Reenactments von Perfomances, die mit dem Körperlichen des Menschen spielen, sich auf ein spürbares Gegenüber beziehen haben hier keine Wirkung, allenfalls eine komische. Gelungen finde ich hingegen das Reenactment von Joseph Beuys 27000 Oaks“. Die gesellschaftliche Dimension dieser Performance wird durch die Mitwirkungsaufforderung an jeden Einzelnen und die Leichtigkeit, ihr nachzugehen, auf eine neue Ebene transportiert.